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despudelskern

Das also ist des Pudels Kern

Zeile für Zeile | Meine eigene Wüste | Zeile für Zeile | Mein Paradies

Ich lese gerade

Die Seiten der Welt: Nachtland
Kai Meyer
Zeitkurier: Roman
Wesley Chu, Jürgen Langowski
Bereits gelesen: 37/496 pages
Smoke: Roman
Katrin Segerer, Dan Vyleta
Bereits gelesen: 209/624 pages
Die Zeit der Verachtung (Hexer, #2)
Andrzej Sapkowski, Erik Simon
Deutsch für Kenner
Wolf Schneider
Doctor Who And The Daleks
David Whitaker
Die maskierte Stadt
Genevieve Cogman
1 Kilo Kultur: Das wichtigste Wissen von der Steinzeit bis heute
Alexander Kluy, Jean-François Pépin, Florence Braunstein, Nikolaus de Palézieux
The Magician King. Lev Grossman
Lev Grossman
Harry Dresden 15 - Blendwerk: Die dunklen Fälle des Harry Dresden Band 15
Jim Butcher

Lese-Status | Wesley Chu: Der Zeitkurier

Zeitkurier: Roman - Wesley Chu, Jürgen Langowski
Auf Seite 35 steht:  Es ist ein Kapitelverbrechen einen Chronauten zu verletzen. Niemand legte sich mit einem Chronauten an. Dann steht auf Seite 37: Wenn ein Chronaut bei einem Streit beteiligt ist, passt jeder genau auf. 
 
Aber: Chronauten wurden dazu ausgebildet nicht aufzufallen. (ebenfalls S.37) 
 
Wie soll das funktionieren?  
 
So wie es scheint erkennt in dieser Welt jeder einen Chronauten, wenn der nur den Raum betritt, aber der Chronaut darf nicht auffallen?
 
Als Chronaut steht man nach dieser Logik automatisch im Fokus aller anwesenden Personen, wenn man nur den Raum betritt.
 
Quasi denkt sich jeder, der einen sieht:  Achtung, Leute!  Da ist ein Chronaut im Raum!  Warnung: Ein Chronaut! Ich darf mich nicht mit dem Chronaut anlegen, ich geh dem mal besser aus dem Weg, dem Chronaut! 
 
Also auch  wenn dieser Fokus nur kurz währt, aber unter „nicht auffallen“ verstehe ich etwas anderes. 

Rezension | Walter Moers: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr: Roman - Lydia Rode, Walter Moers
Diese Rezension ist lang. Und nicht positiv. (Ja, nur ein Stern.) Sie enthält Hinweise auf die Handlung. Wer das Buch völlig blind lesen will, sollte nach der Lektüre diese Rezension lesen. 
 
Das Buch las ich in einem Rutsch durch, allerdings nicht, weil es so toll war, sondern weil ich wusste: Wenn ich jetzt aufhöre, dann lese ich es niemals fertig. 
 
Schauen wir uns die Katastrophe Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr mal genau an:
 
Wenn man dieses Buch und diese Rezension verstehen möchte, ist es wichtig, den Hintergrund zu kennen:
 
Walter Moers kam in Kontakt mit einer jungen Frau aus Berlin namens Lydia Rhode. Sie leidet an der Krankheit CES (Chronische Erschöpfungssyndrom) oder Chronisches Müdigkeitssyndrom (englisch: chronic fatigue Syndrome (CFS)), auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME). (Danke Wikipedia!) Ich werde nicht zu viel dazu erklären, doch es lohnt sich, danach zu googeln. Dies ist eine Krankheit, die man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünscht. Symptome sind unter anderem: Ständige völlige Erschöpfung, Schmerzen, Übelkeit und Schlaflosigkeit. Moers entschied mit Lydia Rhode zusammen zu arbeiten. Er verfasst den Text, sie würde die Illustrationen übernehmen. Das Ganze war ursprünglich als Kurzgeschichte geplant und hier liegt das größte Problem:
 
Als Kurzgeschichte in Form einer Zusammenarbeit zwischen Walter Moers und Lydia Rhode hätte die Geschichte wunderbar funktioniert. Moers Art mit Worten zu spielen, seine Ideen und Vorstellungskraft sind bestens dazu geeignet sich einem Thema wie CES zu nähern. Lydia Rhode, die an dieser Krankheit leidet, kann durch ihn andere Menschen an ihrem Schicksal teilhaben lassen und sich selbst durch ihre Illustrationen Gehör verschaffen. Als Kurzgeschichte, die auf CES Aufmerksam machen will, wäre diese Idee genial gewesen.
 
Also was läuft falsch?
 
Für mich gibt es zwei große Punkte, an denen alles hängt. 
 
 
1. Die Handlung trägt keinen Roman.
 
 
Das Problem zeigt sich bereits in den ersten Kapiteln. Wir lernen Dylia kennen, die an etwas leidet, dass alle nur „die Krankheit“ nennen. Dazu gehört eine extreme Form von Schlaflosigkeit, die Dylia dazu bringt Nacht für Nacht durch ihr Schloss zu tapern und sich irgendwie zu beschäftigen. Unter anderem rezitiert sie die Namen ihrer liebsten Mondkrater in alphabetischer Reihenfolge. (Das nimmt fast eine ganze Seite in Anspruch.) Ein weiterer Zeitvertreib ist das Sammeln von „Pfauenwörter.“ Dies sind ungewöhnliche Wörter aus allen möglichen Sprachen, die schwer in alltägliche Sätze einzufügen sind, weswegen sich Dylia jeden Tag eine Liste mit solchen Wörtern erstellt mit der Aufgabe bis zum Ende des Tages jedes Wort mindestens einmal zu benutzen. Es folgen ein paar Gedanken zu ihrem Zustand und, in fiktiver Form, zu ihrer Krankheit, welche, wie der Leser weiß, CFS ist.
 
Manche der Ideen sind clever und liebenswert. Die Pfauenwörter sind interessant und die späteren Versuche sie einzubauen sind amüsant. Ungefähr die ersten zwei Male. (Es gibt 12 davon, und manche werden mehrfach genutzt...) Dylia stellt sich ihre Symptome, wie zum Beispiel Übelkeit und Schmerzen als Besuche von ungeliebten Verwandten vor, die man gerne loswerden möchte, aber man muss sie eben erdulden. Immerhin ist es die Verwandtschaft und man mag nicht unhöflich sein. Es ist ein warmherziger Humor, aber auch eine große Stärke in diesem Bild; es zeigt die Geduld, mit der jemand, der eine solch lähmende Krankheit hat, mit seinen Symptomen umgeht. Moers Ideen funktionieren an dieser Stelle perfekt, so, wie man es von ihm gewohnt ist. Aber das ist leider nur ein kleiner Teil der ersten Seiten.
 
Denn Dylia ist in ihrer Schlaflosigkeit und in ihrer Krankheit entweder gelangweilt oder von den Symptomen zu gelähmt, um etwas zu tun. Was passiert, wenn man einer Figur folgt, der permanent langweilig ist? Es ist langweilig! Jemandem dabei zuzusehen wie er sich langweilt ist langweilig. Bis derjenige sich interessante und witzige Dinge einfallen lässt, damit ihm nicht mehr langweilig ist. Aber das passiert hier nicht: Ja, Dylia lässt sich Dinge einfallen, aber eben Dinge wie die Auflistung von Mondkratern oder das Erfinden von irgendwelchen Dingen und Farben. Man merkt trotzdem eines: Dylia langweilt sich zu Tode, ergo sehe ich jemanden, der sich langweilt. 
 
Ich könnte hier schreiben, dass ich, wenn ich mich langweile, anfangen mir Hunderassen vorzustellen und mir für jede Rasse zu überlegen, welche Namen solche Hunde haben könnten. Das könnte eine nette Idee sein, heißt aber nicht, dass ich in allen Details jede einzelne existierende Hunderasse hier auflisten muss, zu jedem den Namen schreiben und dann noch die Erklärung dazu, warum es diesen Namen gibt. Spätestens nach zwanzig Hunden ist die nette Grundidee verpufft und man blättert weiter, um diese Liste nicht komplett lesen zu müssen.
 
Auch hat jemand, der durch schwere Krankheit ans Bett gefesselt ist, ohne Frage einen schweren Kampf auszufechten. Trotzdem ist es nicht sehr spannend jemanden stundenlang dabei zu beobachten, wie er im Bett liegt. Wenn man in einem Krankenhaus eine Kamera installiert, sieht man, dass der Mensch krank ist, sieht ihn vielleicht leiden, weiß, dass er eine Schlacht schlägt … aber trotzdem schaut sich niemand zwei Stunden lang eine Kameraaufzeichnung an, in der jemand einfach nur (krank) im Bett liegt und ab und zu Wörter oder Farben auflistet. 
 
Und das geht so für fast 60 Seiten. 60 Seiten, auf denen man im Prinzip eben nur jemandem dabei zusieht, wie er sich langweilt oder krank im Bett liegt. Da sind ein paar gute Einfälle, ja, aber die tragen keine 60 Seiten. 
 
Dann erscheint endlich der titelgebende Nachtmahr: Havarius Opal. 
 
Jetzt fängt die Geschichte an! Richtig? Richtig …? (Bitte! Bittebittebittebitte!) 
 
 
Ich wünschte ... 
 
 
Also: Havarius Opal, der Nachtmahr, stellt sich vor und erklärt Dylia, dass er nun ihr persönlicher Nachtmahr ist und sie nie mehr verlassen wird, bis sie sich umbringt. Was eine ziemlich düstere Ausgangssituation ist, die eigentlich eine Menge verspricht. (Ja, vergesst das. Das Potential erstickt schneller als die Würmer in 'Evolution'.) 
 
Dylia ist fest entschlossen ihrem Schicksal zu entgehen. Der Nachtmahr nimmt sie mit auf eine Reise zum dunklen Herz der Nacht, eine Reise, in ihr eigenes Gehirn. 
 
Warum suchen sie das dunkle Herz der Nacht? Ich habe keine Ahnung. Es muss irgend einen wichtigen Grund geben, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern. 
 
Opal und Dylia machen sich auf den Weg durch Dylias Gehirn. Diese Idee ist bei Walter Moers nichts Neues; er nutzte sie bereits in anderen seiner Geschichten. Dort sind es kurze Kapitel oder kurze Teile der Geschichte, da die Idee zwar interessant ist und etwas aus sich machen lässt, aber sie hat ihre Grenzen. Grenzen, die man hier nur all zu deutlich spürt. 
 
Es funktioniert nicht als Idee für einen ganzen Roman . Erstens weil die Idee für Moers Leser schon zu bekannt ist, zweitens, weil man dem Text deutlich anmerkt, dass die Ideen und Vergleiche an sich nicht genug hergeben.
 
Ich muss etwas korrigieren: Die Idee würde funktionieren, wenn es mehr Handlung gäbe. Die Handlung hier ist aber: Wir laufen durch. Jawohl. Das ist es. Wir laufen durchs Gehirn. Und Moers macht den größten Fehler, den er in meinen Augen machen konnte: Er fängt an seine Ideen und Bilder zu erklären. 
 
Solche Bilder funktionieren,  weil sie ein Bild durch ein anderes ersetzen. Man redet von etwas und meint eigentlich etwas anderes. Das Bild muss clever sein, damit jeder versteht, was eigentlich gemeint ist. Und wenn ein guter Autor, wie Moers eigentlich einer ist, damit arbeitet, dann schafft er es Bilder zu erfinden, die der Leser begreift. Doch weil dies nun einmal keine Kurzgeschichte ist, sondern ein Roman mit über 300 großformatigen Seiten, lässt er seine Bilder nicht für sich alleine sprechen: Er erklärt sie. Er erklärt jedes kleinste Detail. 
 
Die Figuren stoßen auf einen cleveren Einfall: Lieber Leser, lass mich dir genau erklären, was du hier siehst, wie mein Bild funktioniert und dann lass die Figuren noch ein paar Seiten lang darüber reden. 
 
Oh, die Protagonisten geraten in Gefahr? Nun, lass uns erst mal erklären, was hier nun genau passiert und dann lass die Figuren darüber reden. Wir bannen dann mal kurz die Gefahr, damit wir erklären können, wie genau die Gefahr gebannt wurde und damit die Figuren darüber reden können.
 
Diese Reise durch Dylias Gehirn ist so spannend wie eine Bedienungsanleitung. 
 
Das sind ein paar gute Ideen, wie zum Beispiel die Seitenhiebe auf Bürokratie und Beamten, aber es fühlt sich an, als läge man in einem wachkomaartigen Halbschlaf, und dann und wann piekst einer dich mit einer Nadel, was dich kurz aufschrecken lässt, nur um dich zurück in die Lethargie fallen zu lassen. 
 
Jeder Punkt in der Handlung, der auch nur einen Hauch von Spannung verspricht, wird komplett ruiniert durch die endlosen Erklärungen und das endlose Gelaber der Figuren. Jede Idee, jedes Wortspiel wird durchgekaut wie Kaugummi, lang gezogen, von allen Seiten betrachtet und noch mal durchgekaut. 
 
Zum Ende dieses Buches war ich nah dran einzuschlafen. Ich wollte dieses Buch so gerne zuschlagen und an die Wand pfeffern. Es war geradezu hypnotisierend einschläfernd. Ich war nicht mal mehr daran interessiert, wie die Geschichte ausgeht. Alles was ich wollte war, dass das Elend ein Ende hat! 
 
Das Ende übrigens, - abgesehen davon, dass sie das dunkle Herz der Nacht nur kurz ansehen und dann wieder gehen …. (*bitte frustrierten Schrei hier einsetzen*) - soll einen Twist beinhalten und wohl auch berührend sein. Glaube ich. Denn ich wollte nur noch, dass die Figuren endlich die Klappe halten. Es hat mich nicht mehr im Mindesten interessiert was mit den Figuren passiert. (Und die angebliche Liebesgeschichte, wie sie auf dem Umschlag angekündigt wird, erschließt sich mir nicht. Aber vermutlich war ich nach dem Lesen einfach vor Langeweile zu benebelt, um das zu kapieren. ) 
 
So viel zum Inhalt und zur Handlung. 
 
Aber das Schlimmste, das absolut Schlimmste an diesem ganzen Buch und der Hauptgrund Nummer 2 warum ich nach der Lektüre wirklich angepisst war. Nicht verärgert, sondern richtig sickig? 
 
 
2. Es ist kein Zamonien - Roman. 
 
 
Ich verstehe die grundlegende Idee und ich mag sie. Ehrlich. Walter Moers Einfallsreichtum, sein Gefühl für Bilder und Worte dazu zu nutzen um auf eine noch fast gänzlich unbekannte und bis dato unheilbare Krankheit aufmerksam zu machen ist eine großartige Sache. Jemand, der an etwas wie CES leidet eine Plattform zu bieten, Menschen wie Lydia Rhode eine Stimme zu geben; ihr einen Weg zu ermöglichen sich durch ihre Kunst zu zeigen und Gehör zu verschaffen, ist eine verdammt gute Sache. Am Geist dieser Idee gibt es nichts auszusetzen. 
 
Wäre die Geschichte als Kurzgeschichte veröffentlicht worden; als eigenständige Geschichte, indem Moers auf CES Aufmerksam macht, gäbe es daran nichts auszusetzen. 
 
Aber es wurde als neuer Zamonien-Roman beworben. 
 
Bis auf ein paar Erwähnungen von zamonischen Dingen am Rande hat das Buch nichts, aber auch gar nichts mit Zamonien zu tun. 
 
Ich hätte kein Problem damit gehabt eine von Walter Moers geschriebene Geschichte zu kaufen, in der er über CES schreibt. Ich hätte gern eine Geschichte gekauft, in der eine junge Frau, die an CES leidet, ihre Kunst und ihre Sicht auf die Welt mit mir teilt. 
 
Aber ich lasse mich nicht gerne hinters Licht führen. 
 
Schreibt drauf, was drin ist und versucht keine Bücher zu vermarkten, indem eine populäre Romanserie als Werbung genutzt wird, wenn das Buch im Endeffekt nichts mit dieser Serie zu tun hat. 
 
All die guten Hintergedanken, all die guten Vorsätze, all der löbliche Geist, der hinter der Idee steckt wird dadurch pervertiert. Diese Art von Verkaufsstrategie und Buchvermarktung regt mich auf. 
Ihr möchtet auf eine Krankheit Aufmerksam machen und einer jungen Frau eine Plattform geben? 
Okay, tut das. 
Aber versteckt das nicht hinter einem großen, werbewirksamen Namen. 
 
Kurz: Steht zu dem, was es ist und versucht nicht Leser unter Angaben falscher Tatsachen dazu zu tricksen das Buch zu kaufen.
 
 
 
 
 
 
Fazit:
 
 
Das ist Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr: Eine Kurzgeschichte, die schmerzvoll zum Roman aufgeblasen wurde. Figuren, die jede Spannungskurve zu Tode labern. Eine Handlung, dünn wie ein zu oft gekautes Kaugummi und ein Erzähltempo jenseits von Scheintod. KEIN Zamonienroman. 
 
 
Walter Moers ist bekannt dafür mit Worten zu spielen, dutzende Begriffe aneinander zu Reihen. Aber seine anderen Bücher haben eine Handlung. Sie sprühen nur so von Einfällen und Ideen, von Wendungen und cleveren Erfindungen, vor skurrilen Figuren, die, so kurz ihr Auftritt auch sein mag, alle liebenswerte oder interessante Charaktere sind. Hier gibt es nichts davon. Die selben Wortspiele, die selben Begriffe, der selbe Streit, der wohl als „Konflikt“ dienen soll, alles in einer endlosen Wiederholung, schlimmer als Fernsehen im Sommerloch. Bis auf zwei Figuren hat hier nichts einen nennenswerten Charakter, bis auf ein paar Ideen gibt es hier nichts, das zündet, nichts, dass fesselt. Es gibt keine Substanz, keinen Plot, der in der Lage ist das Buch zu tragen. Es gibt nichts außer ein Haufen aneinander gereihter Worte auf einem Fundament, dass so dünn und wacklig und löchrig ist, dass man nur einbrechen kann. Einbrechen und absaufen. 
 
 
Wenn die Geschichte auch versucht mich mit dem Namen „Walter Moers“ und „Zamonien“ zu blenden, ich sehe sie als das, was sie für mich ist: Ein großes, langweiliges, fade Aneinanderreihung aus Belanglosigkeiten. Wie ein Spaziergang, durch das Gehirn von jemandem, der sich zu Tode langweilt, und so schlimm CES ist, so sehr Lydia Rhode und all die anderen Menschen, die an so einer Krankheit leiden meinen Respekt und meine Hochachtung genießen: 
 
 
Dieses Buch ist so "spannend" wie Gras beim Wachsen zuzusehen. Und die Vermarktung-Strategie ist ... eine Schande. 

Rezension | Daniel Silva: Der englische Spion

Der englische Spion (Gabriel Allon) - Daniel Silva, Wulf Bergner
Gabriel Allon? Nie gehört. Bis ich ein Leseexemplar bekam. Einstieg mit Band 15: Klappt. 
 
Silvas Stil ist mit feiner Ironie gespickt, die Handlung schnörkellos; durch die Folge der Ereignisse und die Ortswechsel gibt es Abwechslung genug. Die Kapitel sind nicht zu kurz und nicht zu lang. So hat die Geschichte den perfekte Rhythmus für einen Agententhriller. 
 
Über den Protagonisten und die handelnden Personen erfährt man genug um der Geschichte folgen zu können. Vermutlich sind einem die Figuren vertrauter, wenn man denn die restlichen Bände kennen würde. Die Wiederholung der vergangenen Ereignisse könnten für Kenner der Serie ermüdend sein. Für mich waren sie es; zum Ende hin überflog ich die Bemerkungen über Allons Vergangenheit nur noch. 
 
Silva verknüpft politische Themen mit persönlichen Anliegen seiner Figuren. Die politischen Inhalte sind teils aktuell, scheinen gut recherchiert und laden dazu ein sich dort einzulesen. 
 
Die persönlichen Anliegen sind jedoch die Achillesferse dieses Thrillers:
 
Zum einen fand ich es moralisch fragwürdig, dass zwei Figuren der einen Seite ungestraft ihrer privaten Rachsucht frönen dürfen; unterstütz und bezahlt von ihren Diensten und Staaten.
 
Die Bösen sind böse und die Guten tun im Grunde das Selbe, sind aber die Guten … und deswegen ist Mord und Folter okay, bzw. irgendwie doch ganz cool … ? Hm.
In der Welt der Geheimdienste gibt es wahrscheinlich keine weißen Westen, deshalb schaut man auf Ethik und Moral besser nicht so genau. 
 
Zweitens läuft der Roman zu glatt durch. Er lässt sich dadurch leicht lesen und unterhaltsam ist es auch, aber diese Geradlinigkeit in der Handlung als auch auf der moralischen Ebene lässt Ecken und Kanten vermissen, die andere Thriller und Agenten für mich interessanter machen. Es gibt Wendungen und Probleme, die gemeistert werden müssen, am Ende dachte ich dennoch: Och, das war nun eigentlich ziemlich einfach. 
 
Aber es ist unterhaltsam. So zum locker weg lesen an einem regnerischen Nachmittag. 

Rezension | Joe Hill: Fireman

Fireman: Roman - Ronald Gutberlet, Joe Hill
Wer den Klappentext verfasst hat las den Titel und nicht das Buch. 
 
Was habe ich erwartet: 
Eine Geschichte über eine apokalyptische Krankheit und einen mysteriösen Fireman. Irgendwas mit einem coolen Endzeithelden, gespickt mit feinen Mystery- und Horror - Elementen. (Entschuldige, Joe Hill, aber ja, ich messe dich an Daddy.) 
 
Was habe ich bekommen:
Ja, was habe ich bekommen? Ein Endzeit-Dschungelcamp? Eine Gesellschaftsstudie am Rande einer Apokalypse? 
 
Man hätte es genau so gut „Marlborough -Mann“ nennen können und behaupten, eben jener wäre die größte Gefahr der Menschheit.  Ja, ein „Marlborough- Mann“ kommt vor und ja, er ist eine Gefahr. Zumindest für einen Teil der Menschheit. Damit wären wenigstens zwei Aussagen des Klappentextes als wahr erfüllt, denn es gibt tatsächlich einen „Fireman“ in diesem Roman, aber er ist nicht die letzte Rettung der Menschheit. 
 
Die Krankheit ist cool. „Dragonscale“, feine Muster, die auf deiner Haut erscheinen und dazu führen, dass du in Flammen aufgehst. Mit dem Menschen nach und nach die ganze Welt. Gut, dieKrankheit zu haben ist nicht so cool, aber die Idee ist gut.  Verschwendet, aber gut. 
 
Harper, die Protagonistin folgte ich sehr gern durch den Verlauf der Geschichte. Sie ist erfrischend normal, nicht perfekt, aber auch keine Damsel-in-Distress. 
 
Der Firmen war am Anfang als mystischer Retter interessant, wurde aber sehr schnell de-mystifiziert. Er ist nett. Also nicht im Sinne von „nett ist die kleine Schwester von…“, sondern nett. Mehr aber auch nicht. Er kommt nicht so oft vor und er macht auch nicht sonderlich viel. Aber er ist … nett. 
 
Die Romanze fand ich zu erzwungen und fehl am Platz. Sie tut nichts für die Geschichte und macht wenig Sinn. Lass die beiden sich mal verlieben, weil … Keks. Das ist eine „Thor“ - Romantik. Kennen sich ein paar Stunden und verlieben sich unsterblich weil es der Plot so will. Nein, nicht der Plot, der Autor. 
 
Joe Hill arbeitet mir epischer Vorausdeutung. Das erfüllt seinen Zweck, man möchte weiter lesen, aber es verrät auch viel. Zu viel Info zu früh nimmt Überraschung weg. Ich mag es lieber, wenn ich nach und nach herausfinde, wer die Antagonisten sind, als wenn ich vorweg mit der Nase darauf gestoßen werden. Ein oder zwei Wendepunkte der Geschichte lässt er offen, die größten, aber weniger vorweg greifender Erklärung hätte dem Buch gut getan. 
 
Längen gibt es. Der Mittelteil im Camp zieht sich hin, während das aktionsreichere Ende im Vergleich recht kurz ausfällt. Ich wünschte mir mehr und früher Aktion und weniger Aufbau. Die Etablierung des großen Personals braucht Zeit, ja, aber Joe Hill sollte auf sein Talent vertrauen viele Figuren differenziert darzustellen. Das kann er nämlich. Hat gut von Daddy gelernt.

Erster Satz | Walter Moers: Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr: Roman - Lydia Rode, Walter Moers

Die Krankheit von Prinzessin Dylia war die seltenste von ganz Zamonien. 

Sie war noch seltener als das fiebrige Flattern, die chronische Krätze, der hysterische Husten, die paranormale Parodontose, der tonlose Tinnitus und das zantalfigorische Zittern. 

Sie war so selten, dass die Ärzte dafür noch nicht einmal einen richtigen Namen hatten. Wenn zamonische Mediziner "die Krankheit" erwähnten, dann wussten sie einfach, dass es sich nun um die von Prinzessin Dylia handeln konnte und um keine andere. Eines ihrer hartnäckigen Symptome war eine Form von Schlaflosigkeit, die sich wirklich gewaschen hatte. 

Erster Satz | Wesley Chu: Zeitkurier

Zeitkurier: Roman - Wesley Chu, Jürgen Langowski

Ein Lichtbalken bohrte sich durch das Nichts und schoss zum Zentrum der taktischen Karte. 

 

Auf der Brücke hielten die Besatzungsmitglieder gleichzeitig den Atem an und verfolgten den Weg des Lichtstreifens durch das All. Im Raum herrschte Totenstille, wenn man von der monotonen Stimme absah, die die Sekunden bis zum Einschlag herunterzählte. 

Erster Satz | Stephen King: Es

Es - Stephen King, Alexandra von Reinhardt, Joachim Körber

Der Schrecken, der weitere achtundzwanzig Jahre kein Ende nehmen sollte - wenn er überhaupt je ein Ende nahm - begann, soviel ich weiß und sagen kann, mit einem Boot aus Zeitungspapier, das einen vom Regen überfluteten Rinnstein entlang trieb. 

Erster Satz | Dan Vyleta: Smoke

Smoke: Roman - Katrin Segerer, Dan Vyleta

"Thomas! Thomas! Wach auf!"

 

Kaum ist er wach, sucht er Nachthemd und Bettzeug nach Ruß ab. Er macht es schnell, mechanisch, noch im Halbschlaf: fährt mit einer Hand über die Haut und tastet nach der verräterischen körnigen Substanz. 

 

Erst danach fragt er sich, wie spät es ist und wer ihn geweckt hat. 

Erster Satz | Kai Erik: Das böse Buch

Das böse Buch: Thriller - Kai-Erik Peiponen, Thorsten Alms

Während der dreißig Jahre, die Mickel Backman an der Åbo Akademie gelebt und gelehrt hatte, war der Etat für das Literaturwissenschaftliche Institut ständig gekürzt worden. 

 

Die schlechte Wirtschaftslage hatte die ganze Universität in Mitleidenschaft gezogen, aber ganz besonders die kleinen Institute und die weichen Fächer. Als Hochschullehrer hatte sich Mickel vor dem Fakultätsrat den Mund darüber fusselig geredet, dass dieser Abbau zu einer Oberflächlichkeit führte, die den Sinn und Zweck der Literaturwissenschaften aushöhlte. Alle hörten zu und nickten und murmelten Zustimmung, aber der Druck zu mehr Effektivität und schnelleren Abschlüssen kam von oben und nahm kein Fach aus. 

Erster Satz | Claus Probst: Die Jagd (Am falschen Ort)

Die Jagd - Am falschen Ort: Thriller - Claus Probst

Seit der Sache mit Torrini hat an achtmal versucht, mich zu töten. 

 

Vermutlich gibt es nur wenige Menschen, die das von sich behaupten können. Mit Ausnahme einiger Diktatoren, Rebellenführer und Drogenbarone, die sich jedoch nicht mit mir vergleichen lassen, denn sie umgeben sich meist mit einer Armee von Leibwächtern. Ich dagegen bin völlig auf mich gestellt.

Erster Satz | Daniel Silva: Der englische Spion

Der englische Spion (Gabriel Allon) - Daniel Silva, Wulf Bergner

Nichts von alledem wäre passiert, hätte Spider Barnes sich nicht zwei Abende vor dem Auslaufen der Aurora im Eddy's betrunken. 

 

Spider galt als der beste Schiffskoch der gesamten Karibik, cholerisch, aber unersetzlich, ein verrücktes Genie in weißer Jacke und Schürze. Spider, müssen Sie wissen, hatte eine klassische Ausbildung. Spider hatte einige Zeit in Paris gearbeitet. Spider war in London gewesen. Spider hatte New York, San Francisco und einen unglücklichen Zwischenstopp in Miami absolviert, bevor er endgültig aus dem Restaurantgeschäft ausgestiegen war, um die Freiheit der Meere zu genießen. Jetzt arbeitete er auf den großen Charterjachten, wie sie Filmstars, Rapper, Moguln und Angeber charterten, wenn sie imponieren wollten. Und wenn Spider nich an seinem Herd stand, war er unweigerlich auf einem der besseren Barhocker an Land anzutreffen. 

Erster Satz | Andrzej Sapkowski: Die Zeit der Verachtung

Die Zeit der Verachtung (Hexer, #2) - Andrzej Sapkowski, Erik Simon

Um sich den Lebensunterhalt als reitender Bote zu verdienen, pflegte Aplegatt den frisch eingestellten jungen Männern zu sagen, braucht man zweierlei: Einen hellen Kopf und einen eisernen Hintern. 

Erster Satz | Andrzej Sapkowski: Das Erbe der Elfen

Das Erbe der Elfen (Hexer, #1) - Andrzej Sapkowski

Die Stadt brannte. 

 

Die engen Straßen, die zum Graben führten, zur ersten Terrasse, verströmten Rauch und Hitze, die Flammen verzehrten die dicht gedrängten Strohdächer, leckten an den Mauern des Schlosses. Von Westen her, vom Hafentor, drang Geschrei heran, der Lärm eines erbitterten Kampfes, die dumpfen Stöße des Rammbocks, unter denen die Mauern erbebten. 

 

 

Erster Satz | Joe Hill: Fireman

Fireman: Roman - Ronald Gutberlet, Joe Hill

 

Wie jeder hatte auch Harper Grayson im Fernsehen schon viele brennende Menschen gesehen, doch das erste Mal, dass jemand direkt vor ihren Augen in Flammen aufging, war auf dem Pausenhof in der Schule. 
Die Schulen in Boston und einigen anderen Teilen von Massachusetts waren geschlossen, aber hier in New Hampshire ging der Unterricht weiter. Auch in New Hampshire waren bereits einige Fälle aufgetreten. Soweit Harper gehört hatte, wurde eine Gruppe Infizierter in einem Sicherheitstrakt des Concord Hospital festgehalten und von Ärzten in Schutzanzügen und Krankenschwestern mit griffbereiten Feuerlöschern behandelt. 

Erster Satz | David Whitaker: Doctor Who and the Daleks

Doctor Who And The Daleks - David Whitaker

I stopped the car at last and let the fog close in around me. 

 

I knew I was somewhere on Barnes Common and I had a suspicious idea it was the most deserted part as well. A warm fire and the supper my landlady would have waiting for me seemed as far away as New Zealand. I wondered how long it would take me to walk home to Paddington and the possible answer didn't do anything to cheer me up. 

 

A fitting end to an impossible day, I thought savagely. 

David Baldacci | Im Auge des Todes

Im Auge des Todes: Thriller. Will Robie 3 - David Baldacci

Ich gebe auf. Diese Serie kackt sowas von ab. Aber sowas von! 

 

Fertig gelesen habe ich das Buch nur, weil mich die Szenen in Nordkorea wirklich interessiert haben. Das Thema finde ich spannend, das Leben dort, die Strukturen, die Lager. Zwar habe ich mich noch nie richtig damit beschäftigt, aber es liest sich gut recherchiert, wenn ich das als absoluter Laie auf dem Gebiet überhaupt beurteilen kann. 

 

Alles andere ist Mist. 

 

Zum einen entwickelt sich die Reihe von der Will "Auftragskiller" Robie - Reihe zur Jessica "Heulsuse" Reel - Reihe. 

 

Die Frau ging mir so auf den Senkel. Ich glaube so langsam, Baldacci kann für mich einfach keine sympathischen Frauen schreiben. Da wird zum Beispiel ständig behauptet wie abgebrüht und kalt und stark und super Jessica Reel angeblich doch ist; de facto bricht sie ständig in Tränen aus, braucht Hilfe versinkt noch mehr in Selbstmitleid als in Teil zwei. 

 

Ja, sie hatte eine schwere Kindheit und ist augenscheinlich davon traumarisiert, aber dann sollte man einen solchen Charakter auch von Anfang an mit seinen Schwächen präsentieren und ihn nicht zur Super-Sue-Überfrau erklären. Da komme ich mir als Leser verarscht vor, weil einfach nicht drin ist, was drauf steht.  Dazu verliert der Charakter an Glaubwürdigkeit, weil Dinge die über ihn gesagt werden und wie er bei mir als Leser ankommt einfach nicht zusammen passen. 

 

Der ganze Plot um Jessica Reel und ihren Nazi-Vater kann man in die Tonne kloppen. Dieser Handlungsstrang hat absolut keinen Einfluss auf, keinen Sinn und Zweck für die Haupthandlung. Würde man diese Seiten streichen, würde man absolut nichts verpassen. 

Gut, es sei denn, man findet Jessica Reel ganz toll und möchte mehr über sie erfahren. Das hätte man dann aber auch als Side-Story veröffentlichen können. So zieht es die Haupthandlung nur unnötig in die Länge und statt Spannung aufzubauen war ich mehr und mehr genervt davon. 

 

Die Haupthandlung an sich ist allerdings auch nicht mehr als "Präsident in Gefahr" - Einheitsbrei. Wer das in gut haben möchte, der sollte 24 mit Jack Bauer Koma-Glotzen. 

 

Fazit: Kauft euch ein Buch über Nordkorea, wenn ihr das Thema auch so interessant findet, wie ich.  Den Rest dieses Buches braucht sich keiner anzutun. 

 

Bewertung: Töte es, bevor es Eier legt!