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Verena Lueken | Alles zählt

Alles zählt: Roman - Verena Lueken

Zu Beginn war ich optimistisch. Dann habe ich mich gelangweilt. Zum Schluss habe ich die Zeilen nur noch überflogen. (Ich hasse es Bücher nicht zu Ende zu lesen, da komme ich mir so vor, als wäre ich gescheitert.) 

 

Die Protagonistin erhält nach Jahren der Remission ihre erneute Krebsdiagnose und lässt während der Behandlung ihr Leben Revue passieren.

(show spoiler)

 

Zu Beginn machte das Buch einen guten Eindruck. Lueken arbeitet viel mit Zitaten, alle in englischer Sprache. Ab und an nur sind sie übersetzt, was schade für Leser ist, die im Englischen nicht so firm sind. 

 

Ein paar Sätze haben mich wirklich beeindruckt. Weil sie sehr auf den Punkt sind. Aber unterm Strich überwiegen hier für mich die Negativpunkte. 

 

Allem voran wählt Lueken einen Allwissenden Erzähler. Dieser erzählt über "Sie", die Hauptfigur; kennt aber all deren innere Gedanken. Es liest sich wie eine erste Person Singular, ist es aber nicht und das irritiert maßlos. Du hast das Gefühl, du liest ein Buch in der Ich-Perspektive, aber es stimmt gar nicht.

 

Am Ende hatte ich als Erzähler eine Art Alien im Kopf, das die Hauptfigur durchleuchtet und alles stumpf aufschreibt, was es von ihr mitbekommt, ohne wirklich zu fühlen und zu verstehen, was "Sie" da erlebt und fühlt. So distanziert las sich alles. 

 

Zweitens hat kaum eine Figur einen Namen. Ich glaube, in der ganzen Geschichte hat eine Figur einen Vornahmen, zwei einen vollen Namen und der Rest wird nur auf den Verwandtschaftsgrad oder eine Initiale reduziert. "Die Mutter." "Der Vater." "Der Onkel." 

"S." und "H."

 

Wer nennt seinen Lebenspartner oder die große Liebe seiner Mutter "S." bzw. "H."? 

Das ist so unpersönlich, dass ich zu diesen Figuren gar keine Beziehung aufbauen kann und will. 

 

Die Verwandtschaftsbezeichnungen sind verwirrend und unnötig kompliziert. Ich habe eine Weile gebraucht, um zu kapieren, dass die Mutter der Prota zwei Mal verheiratet war. Erst schreibt sie von dem "Vater der Mutter" als "der Vater", ergo ihr (Prota) Großvater. Dann ist der erste Mann der Vater der Brüder und ihr Vater, also der Vater der Prota ist auch der Vater und .... Was ?!?! 

 

Keiner dieser Männer hat anscheinend einen Namen. Jeder ist in irgend einer Hinsicht "der Vater" und wenn du das sechsmal in einem Absatz liest, bekommst du die Krise. 

 

"Sie" steht dann nach ihrem Eingriff unter Schmerzmitteln und erleidet eine Art Drogentrip, der mit Gedanken über das Leben und Gott und die Welt einhergeht, aber durch die seltsame Wahl der fehlenden Namen und die Distanz zur Protagonistin durch den allwissenden Erzähler mich schnell anödete. 

 

Selbsthilfegruppen sind unnötig.

 

Das ist ein Fazit, dass "Sie" nach gefühlten tausend Seiten des schwadronieren zieht. Aber für manche Menschen sind sie gut. Zweites Fazit. -> Danke für diese tief-schürfende Erkenntnis. 

 

Am Ende gibt es eine Art beginnende Liebesgeschichte ..? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was das sollte. Zumal "Sie" noch immer mit "S." zusammen ist, der offenbar jede Sch.. mitmacht, die diese Frau aushalten muss und selbst verzapft. Armer Mann. 

 

Nope. Ich mochte das Buch nicht. Es hatte gute Ansätze und als jemand, der die Krankheit hautnah miterlebt hat, fand ich manches Gefühl und Erlebnis dort wieder. Aber neue Erkenntnisse habe ich durch dieses Buch nicht bekommen. Berührt hat es mich auch nicht. Es tat gar nichts für mich und das ist für mich die schlimmste Art von Büchern, weil sich das Lesen danach als verschenkte Zeit anfühlt.