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despudelskern

Das also ist des Pudels Kern

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Großbritannien hat ein Problem

Die Seufzende Wendeltreppe  - Katharina Orgaß, Gerald Jung, Jonathan Stroud

 

 

 

Der Anfang
Zu den ersten Fällen , an denen ich bei Lockwood & Co. mitgearbeitet habe, möchte ich hier nicht viel sagen. Einerseits, weil die Opfer anonym bleiben sollen, andererseits, weil die Einzelheiten all zu grausig sind, aber vor allem, weil wir es tatsächlich fertig gebracht haben, diese Aufträge allesamt gründlich zu vermasseln. 

 

 

 

 

 

Eines der Bücher, die ich mir irgendwann einmal vorgemerkt hatte, dann vergessen habe und nun nun endlich aufgeschlagen. Ich hatte auch vergessen warum ich mir das Buch vorgemerkt hatte, aber ich dachte mir: Pudel, du wirst einen Grund gehabt haben. Ja, hatte ich.

Angefangen also mit keine Ahnung von nichts. Weder vom Inhalt, noch vom Thema. Das liebe ich; es ist ein bisschen wie einen Film in der Sneak Preview schauen. Mit Jonathan Stroud macht das Spaß. Bei Lockwood & Company schafft er es herrlich leicht seinen Hintergrund zu etablieren. 

Es gibt keine ellenlangen Erklärungen, bei denen ich das Gefühl  habe dem Autor geht es nur darum damit anzugeben wie viel er recherchiert oder wie viel er sich ausgedacht hat. Ich werde nicht mit Informationen zugeworfen und beladen bis Oberkante Unterlippe sondern in die Welt des Buches geworfen als wäre diese Welt eine Selbstverständlichkeit. Ich erfahre genug, um zu wissen wie diese Welt tickt und bekomme genug Anker, um alleine darin zu schwimmen. Das finde ich wichtig als Leser, das ich ernst genommen werde. Gerade bei Jugendbücher. Man muss nicht alles haarklein erklärt bekommen, es reicht, wenn der Autor die Hand ausstreckt, einen in die Geschichte zieht und dann kann man alleine laufen. 

Großbritannien hat ein Problem. Das Problem. Und das Problem sind Geister. Geister aller Art und Größe, die irgendwann einfach anfingen aufzutauchen und nun den Lebenden das Leben schwer machen. Wahrgenommen werden können diese Geister nur von einigen Kindern und Jugendlichen, weswegen diese auf unterschiedliche Art in der Gesiterbekämpfung tätig sind. Es ist eine Welt, in der Geister völlig real sind und das ganze Leben sich danach richtet denen möglichst gründlich aus dem Weg zu gehen oder sie zu jagen. Es ist eine Welt, in der kleine Kinder nachts zur Arbeit geschickt werden, eine Arbeit, die obendrein lebensgefährlich ist und für die Erwachsenen ist dies völlig normal. Es ist eine Welt, in der Kinder und Jugendliche in gesellschaftlich hoch angesehen Agenturen arbeiten, um Geister zu jagen und sie unschädlich zu machen. 

Es geht um die kleinste Agentur in London, Lockwood & Company. Gegründet und geleitet von Anthony Lockwood. Weitere Mitarbeiter : George Cubbins, Recherche, und Lucy Carlyle, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird.

Ich liebe Lucy. Zu Beginn war mir nicht einmal klar, das die Ich-Erzählerin ein Mädchen ist. Und das sagt viel aus. Normalweise betrachten sich weibliche Protas innerhalb der ersten zwei Seiten im Spiegel, damit der Leser ja ja mitbekommt wie hübsch sie ist. Oder wie angeblich nicht hübsch, damit der Protagonistin dann jeder andere Hauptcharakter und jede Nebenfigur erzählen kann wie hübsch sie ist. Außerdem werde ich Leser gern mit Fakten zugeballert über Namen, Freundinnen, Klamotten und Jungs. Ganz wichtig, JUNGS! 

Nicht so bei Lucy. Ihren Namen erfährt man erst recht spät, über Jungs redet sie gar nicht, über Klamotten auch nicht. Sie ist eine Geisterjägerin und zufällig ein Mädchen. Basta. So muss es sein. Kein Glitzer/Klamotten/Jungs - Klischee sondern ein ganz normales Mädchen von nebenan die nicht nur die Interessen hat, die ein "typisches Mädchen" laut Werbespezialisten haben muss/soll.  Und sie ist auch nicht speziell. Besser gesagt: SPESCHÖÖÖL!!!einself!!!  Ihr wisst, was ich meine. ;) Gut, sie hat eine etwas ausgeprägtere Gabe als andere, doch das ist für eine Protagonistin angemessen, und es wird nicht hundertfufzigtausendmal erwähnt wie  b-e-s-o-n-d-e-r-s sie ist. 

Lockwood an sich ist ein bisschen, aber nur ein bisschen Klischee. Groß, schlank, tolle Haare, lässig und geheimnisvoll, aber mit einem Hang zur Übermotivation und manchmal ein wenig zu optimistisch, was ihn einen schönen Handlungsantreiber macht. George hat keine Modelfigur und Schlabberklamotten an und ist einfach bequem, aber effektiv. Überhaupt sind die Figuren hier erfrischend normal. Sie gehen auch mal aufs Klo, sie stapeln dreckiges Geschirr und sie laufen daheim in Klamotten durch die Gegend, die nicht durchgestylt sind und sie sehen nach dreckigen Einsätzen auch aus wie gesengte Säue und ihre Verletzungen heilen nicht auf wundersame Weise innerhalb von zwei Sätzen. 

Alle sind Handlungsträger, alle haben Stärken und Schwäche die mal gut, mal weniger gut sind und den Plot vorantreiben. Die Konstellation erinnert mich ein bisschen an Sherlock Holmes, wenn man Lockwood als eine Art Sherlock betrachtet und Watson in Lucy und George teilt. Eine Art Lestrade gibt es auch. Nur ohne die absolute Überlegenheit von Lockwood/Sherlock. Er ist clever, aber er versaut auch viel. ^^

Es gibt mehrere Handlungsstränge, die miteinander verwoben sind und sich in gutem Tempo zusammenfügen und entfalten. Es gibt ruhige Passagen, aber auch viel Aktion und eine kontinuierliche Spannungskurve mit auf- und abschwellendem Crescendo und eine doppelte Klimax, die Sinn macht und nicht künstlich das Ende zieht. 

Alles in allem eine richtig positive Überraschung für mich und unterm Strich ein super unterhaltsames Leseerlebnis.  Ich hoffe, dass diese Serie genau so weiter geht und vor allem lange weiter geht. 

 

 

Der letzte Satz
Mit einem Karton voller zerdrückter Donuts trat ich aus der Kälte und Dunkelheit in die warme, hell erleuchtete Küche.